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| Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung
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Zurück zur Philosophie als Lebenshilfe
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung (Gebundene Ausgabe) Luc Ferry legt eine Geschichte der Philosophie vor, in der er anhand weniger ausgewählter Philosophen die Entwicklung der Philosophie von der Antike bis heute verfolgt. Er versteht es, den Leser zu fesseln, als läse er einen Krimi. Durch die Motivation des Textes - das Bewusstsein sterblich zu sein und die Frage nach dem Sinn des Lebens, die ja die antiken "Freunde der Weisheit" zum Nachdenken angeregt und nach praktischen Ratschlägen für das Leben suchen lassen hat - packt er den Leser bei einem Urinteresse und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr aus seinen Fängen. Schlüssig erklärt er, welche Veränderungen die Philosophie im Laufe von über zweitausend Jahren erfuhr, warum sie als Heilsbringerin dem Christentum unterlegen war und wie sie fortan als Hilfswissenschaft ihr Dasein fristete. Er macht deutlich, wie sich seit Descartes und der Aufklärung die Philosophie wieder von der Religion distanzierte, weist aber gleichzeitig darauf hin, daß sie seitdem immer eine Schulwissenschaft geblieben ist und nie wieder die lebenspraktische Bedeutung wie in der Antike gewonnen hat.
Mit Hilfe der philosophischen Ansätze von Nietzsche und Heidegger zeigt er, daß wir im Zeitalter des Kapitalismus und der Globalisierung neue Ideen und neue Ideale entwickeln müssen, um die Selbstbestimmung über unser Leben zurückzugewinnen. Wissenschaft und Technik bringen uns nicht - wie von der Aufklärung erträumt - Freiheit und Glück, sondern Fortschritt um des Fortschritts willen. Wir sind nur noch Getriebene einer Entwicklung, die wir nicht mehr selbst steuern können. Deshalb ist es dringend notwendig, die Macht über unser Schicksal zurückzugewinnen und die Welt wieder in den Griff zu bekommen.
Ferry zeigt, daß die Philosophie uns dabei helfen kann, dass sie aber auch nicht mehr hinter den Nihilismus eines Nietzsche zurückfallen kann, sondern sich weiterentwickeln muss. Den christlichen Glauben findet Ferry zwar wegen der Auferstehungslehre sehr verführerisch, glaubt jedoch nicht daran. Er ist im Gegenteil übezeugt, daß alle unsere Heilserwartungen sich auf das gegenwärtige Leben beziehen müssen. Deswegen möchte er die Transzendenz vom Himmel zurück auf die Erde holen und das Heil durch sich selbst erlangen.
Drei Ansätze zu einer neuen Heilslehre sind für ihn Lernen: die Erweiterung des eigenen Horizonts, die Entwicklung der Persönlichkeit und die Gewinnung von Distanz zu sich selbst Lieben: denn die Liebe zu einer einzigartigen Person gibt dem Dasein einen Wert und einen Sinn Sterben: wir müssen uns mit dem Tod auseinandersetzen, um herauszufinden, was noch zu tun ist
Luc Ferry stellt einige wesentliche Gedanken der beschriebenen Philosophen so dar, daß wir sie verstehen können und vor allem motiviert sind, sie selbst zu lesen und uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Er gibt uns mit diesem Buch den Anstoss, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und selbst Freunde der Weisheit zu werden und hat damit eine Tür für uns aufgestossen.
Für mich der einzige relevante Kritikpunkt: Die Sakralisierung des Menschen allein wird nicht zu einem Umdenken führen, wir müssen statt dessen die ganze Schöpfung einbeziehen. Auch hier hat die Aufklärung ihre Spuren hinterlassen und auch hier ist dies nicht nur zum Positiven für uns geraten.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. Juli 2007 | | |
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